Víkingur
  Isländische Zucht
 

Quelle: "Islandpferde erleben und verstehen". Verlag Müller Rüschlikon 2001, 2011. ISBN: 978-3-275-01739-3

Wir befinden uns im Jahre 1783 auf Island, der Insel aus Feuer und Eis. Der größte Vulkanausbruch aller Zeiten bedeckte 600 km² Land mit Lava. Von den im Jahre 1770 gezählten 32000 Pferden überlebten nur 8600 die Katastrophe. Dazu kam, dass die einzelnen  Höfe über ganz Island verstreut waren und sehr abgelegen lagen. Dadurch kam es zwangsläufig zur Inzucht. Folge dieser übertriebenen Inzucht war, dass ganze Bestände auf einzelnen Höfen starben und so musste man umdenken.

So entstand im Norden Islands das Svadastaðir-Pferd. Der Hof Svadastaðir wurde 1750 gegründet. Doch die eigentliche Zucht begann erst 1840 mit einem schwarzen Hengstfohlen von einem Nachbarhof. Nach einigen Jahren wurden Füchse mit Blesse in die Zucht eingeführt, so dass sich der Svadastaðir-Stamm lange Zeit in einem Zweig mit Rappen und einen mit Füchsen mit Blesse unterteilte. Die Füchse waren besonders temperamentvolle und vielseitige Reitpferde, wogegen die Rappen umgänglicher waren und daher mehr zum allgemeinen Gebrauch eigneten. Im Laufe der Zeit vermischte sich diese Linie jedoch.

Typisch für die Svadastaðir-Linie sind der harmonische Bau, viel Temperament, oft auch sehr feurig, sein umgänglicher Charakter und fünf Gänge.

Sörli 71, dessen Vater Möllers-Brunn und wiederum dessen Vater Sörli frá Svadastöðum, alle drei Rappen, begründen den Stamm der heutigen Svadastaðir-Pferde. So haben alle heutigen Svadastaðir-Pferde Sörli 71 unter ihren Vorfahren. Durch Aufteilungen und Heiraten wurde der Svadastaðir-Stamm in 5 Linien unterteilt: Axlarhagi, Hofstaðir, Kirkjubær, Kolkuós und Saudakrokur.

Axlarhagi-Linie

Mit Nachkommen von Sörli 71 gelang die Zucht des wichtigsten Hengstes der Axlarhagi-Linie Godi 401. Durch den Tod des Hofbesitzers konnte die Zucht zunächst nicht systematisch weitergeführt werden, aber in neuerer Zeit wurde der Hengst Feykir 962 aus der Kolkuós-Linie, der wiederum Sörli 71 als Vorfahren hat, mit Erfolg bei einer größeren Zahl guter Stuten eingesetzt.

Hofstaðir-Linie

Wichtigste Rapphengste Islands z.B. stammen von Sörli 71 ab, wie der 1924 geborene Lettir 137, dessen Sohn Blakkur Stammvater der Hofstaðir-Linie wurde. Letzterer hat aber die isländische Pferdezucht weit mehr durch seine Nachkommen in Kolkuós und Kirkjubær geprägt. In der Hofstaðir-Linie selbst sind in letzter Zeit keine besonders bemerkenswerten Zuchtpferde in Erscheinung getreten, man züchtet jetzt meist mit Pferden aus der Saudakrokur-Linie weiter.

Kirkjubær-Linie

Füchse mit Blesse sind – nach altem isländischen Volksglaube – die besten Reitpferde. So war es kein Wunder, dass der Hof Kirkjubær im Jahre 1950 mit der Absicht gegründet wurde, hier mit einer solchen Farbzucht zugleich auch Spitzenpferde zu züchten. Am meisten prägten die Kirkjubær-Pferde die Hengste Svadi 352, Randver 358 und Ljufur 353. Kirkjubær hat sich heute zu einer der erfolgreichsten Zuchten entwickelt.

Kolkuós-Linie

Heute kann man kaum mehr Svadastaðir-Pferde züchten, ohne hierbei Kolkuós-Pferde zu verwenden. Die Linie beginnt im Jahre 1922. In diesem Jahr wird Hördur 112 aus der Spitzenstute Nanna 20 frá Kolkuós und Sörli 71 geboren. Hördur 112 hatte in der Folge großen Einfluss auf die Zucht in den ersten Jahrzehnten. Danach folgte sein Sohn Léttir 400 und dessen Sohn Hördur 591. Hördur 591 war Vater von vielen bedeutenden Hengsten. Die Kolkuós-Linie hat sich im Vergleich zu den anderen Linien am wenigsten vermischt.

Saudakrokur-Linie

Die jüngste Linie des Svadastaðir-Stammes wurde 1950 gegründet. Als Stammmutter der Saudakrokur-Pferde gilt Ragnars-Brunka 2791. In ihrem Stammbaum erscheint Sörli 71 gleich dreimal als Vorfahre. Zusätzlich kam der Axlarhagi-Hengst Godi 401 dazu, von dem viele der heutigen Saudakrokur-Pferde abstammen. Die Saudakrokur-Linie hat viele erstklassige und bedeutende Zuchtpferde in den letzten Jahrzehnten hervorgebracht.

Der zweite Stamm der Islandpferde ist der im Hornafjördur. Diese liegt im Südosten Islands, wo es weniger Weideland gibt und die Pferde daher etwas unterentwickelt waren. Die Hornafjördur-Pferde sind allgemein harmonisch, haben ein schönes Gesicht, einen schlanken Hals, eine gute Aufrichtung und der Rumpf war wohl proportioniert. Am häufigsten gab es Rappen, Braune und Füchse. Diese Pferde haben einen zuverlässigen Charakter und starke Nerven. Scheuende Pferde sind praktisch unbekannt! Sie besitzen einen starken Gehwillen und sind oft sehr feurig. Ihre sehr entschiedene Leistungsbereitschaft und ihr Eifer macht sie manchmal selbst für gute Reiter schwer zu halten. Die Hornafjördur-Pferde sind klug und haben ein sehr gutes Orientierungsvermögen.

In den Jahren 1930-1940 teilte sich der Stamm in zwei Hauptlinien: Die Árnanes-Linie und die Skuggi-Linie. Die Árnanes-Linie begann mit Bráinn 144 frá Dilksnesi. In diesem Zweig blieben Schönheit und der feine Bau erhalten. Die Skuggi-Linie entstand mit einem Verwandten Bráinns, mit Blakkur 129 frá Árnanesi. Seine Nachkommen waren temperamentvolle Pferde von sehr ausgeprägtem Charakter, kräftig, groß. Vielen seiner Nachkommen fehlte zwar die Schönheit und die Eleganz, jedoch war Blakkur 129 ein wertvoller Vererber.

Heutzutage wurden diese beiden Stämme Svadastaðir und Hornafjördur auch schon vermischt, wobei sehr gute Pferde entstanden.

 

Svadastaðir-Pferde

Hornafjördur-Pferde

Exterieur (Gebäude)

kompakt, fein, elegant, oft etwas klein

großrahmig, kräftig, knochig

Charakter

temperamentvoll, schnell verfügbare Energie, sensibel, hohe Leistungsbereitschaft – teilweise etwas frech

stark, teilweise sehr harte Wesensart

Ausstrahlung

selbstbewusst, wach, fröhlich, energisch, zu Beginn etwas scheu

stark, dominant, kräftig, selbstbewusst

Reiteigenschaften

leichtrittig, gutes Lernvermögen, sehr gute Gangveranlagungen

energische Gänge, anhaltende Leistungsbereitschaft, teilweise etwas harte Rittigkeit

Quelle: Islandpferde erleben und verstehen

 
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